16. Mrz 2010

Kat. Hörbuch, Top | 0 Kommentare

Allwissend: Der Weblog-Thriller

Cybermobbing

Cybermobbing

Der neueste Thriller von Jeffery Deaver hat diesmal mit der Welt der Onlinespiele – à la Word of Warcraft – und der Blogger zu tun. Wobei der deutsche Titel “Allwissend” nicht so treffend wie der Originaltitel “Roadside Crosses” ist: Ausgangspunkt sind einfache Holzkreuze, die an einem bestimmten Punkt einer Straße auftauchen – bevor jemand ermordet wird. Der Mörder kennt die geheimen Ängste seiner Opfer erstaunlich genau. Die Ermittlerin Kathryn Dance, deren Spezialität das “Lesen” von Körpersignalen ist, vom California Bureau auf Investigation entdeckt bald Zusammenhänge bei einem bestimmten Weblog, der sich der kritischen Berichterstattung verschieben hat. Und sie taucht ein in die Schattenwelt der Online-Rollenspiele …
Nach “Der Täuscher” (ausgesprochen gelungen) ist dies ein weiterer Krimi von Deaver, der auf aktuelle technische Entwicklungen eingeht. Allerdings leider nicht so gelungen wie der Vorgänger. Aber zunächst die Pluspunkte: Wie üblich liefert Deaver einen “soliden” Krimi ab, der ohne detaillierte Beschreibung von Greueltaten auskommt und statt dessen die Ermittlungstätigkeit in den Mittelpunkt stellt. Wiederum sind die Wendungen nur wenig vorhersehbar, wenngleich auch gegen Ende ein wenig gekünstelt, aber das hält sich noch in einem akzeptablen Rahmen.
Ebenfalls sehr gut gelungen sind die “Einführungen” in die Weblog-Szene und die Darstellung der Onlinespiele: Im Unterschied zu der gängigen Medienberichterstattung sachkundig und treffend dargestellt. Vor allem eben auch für jemanden verständlich, der bisher von diesen Dingen nur Stichpunkte gehört hat. Diese Sachlichkeit hat natürlich ihren Preis: Sie nimmt Raum ein und benötigt Zeit. Wer sich also für derartige Themen überhaupt nicht erwärmen kann, dem wird bei den Beschreibungen schnell langweilig werden. Wer aber schon immer mal wissen wollte, was das Web in diesen Bereichen für eine Bedeutung hat, der wird die Darstellungen eher als interessant denn als störend empfinden. So weit, so gut.
Kommt man nun aber zur Krimihandlung an sich, so muss man deutliche Abstriche machen. Spannung wird nur streckenweise aufgebaut, eher im ersten Drittel als im letzten Drittel. Diesmal gelingt es Deaver nicht wirklich, einen Nerv zu treffen oder plausibel zu überraschen. Ja, sicher. Immer noch gut erzählt, immer noch ein Stück besser als der Durchschnitt. Aber eben nicht sehr viel mehr. Leider. Natürlich muss man auch zugeben, dass es ein Kunststück ist, auf der einen Seite statt  reißerischer Halbwahrheiten eine sachliche Schilderung vorzunehmen und auf der anderen Seite Spannung zu erzeugen. Dies war ihm im “Täuscher” deutlich besser gelungen.
Zu der Vertonung an sich ist nicht viel zu sagen: Der Name Dietmar Wunder steht wieder einmal für eine ausgezeichnete Lesung!

Jeffery Deaver: Allwissend
Random House Audio, 2010
6 CDs, ca. 420 Minuten
Kosten: Im Buchhandel ca. 24 Euro, als Download ab 10 Euro.

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