21. Okt 2007

Kat. Hörbuch | 0 Kommentare

Brigittes schwache Männerstimme

starke-stimmen.jpgVor einiger Zeit hatte die Frauenzeitschrift “Brigitte” bereits mit einer Hörbuchedition “Starke Stimmen” zu einem günstigen Preis begonnen. Gelesen ausschließlich von Sprecherinnen, die von Film und Funk bekannt waren. Nun folgt eine Staffel “Männerstimmen”. Grund genug, um auf die erste Folge einmal einen näheren Blick zu werfen.
Grundsätzlich macht die Kooperation mit dem Bertelsmann-Verlag “Random House” natürlich für beide Seiten Sinn: Brigitte kann ihren Leserinnen eine eigene Edition anbieten, Random House verspricht sich das Erschließen neuer Käufergruppen, die bisher eher zu Druckerzeugnissen gegriffen haben. Daher liegt der Verkaufspreis auch recht niedrig (unter 10 Euro), was aber auch einer Mischkalkulation von älteren mit neueren Aufnahmen zu verdanken ist. Nun, das Konzept ging auf: Nach Verlagsangaben wurden von der ersten Staffel 1,5 Millionen CDs verkauft (wobei ich allerdings vermute, dass man diese Zahl durch den Faktor 4 oder 5 teilen muss, da jede Hörbuchbox natürlich mehrere CDs enthält).
Nun hätten sich die Leserinnen “männliche” Stimmen gewünscht, was nicht ungewöhnlich ist. Umfragen bei Hörbuchkonsumenten zeigen, dass meist etwas tiefere, sonore Stimmen gewünscht werden. Also gibt es eine Auflage mit Sprechern, den Beginn macht Martin Suters “Ein perfekter Freund”, das als Hörbuch – zu einem höheren Preis – schon länger auf dem Markt ist. Der Schauspieler Sebastian Koch (“Das Leben der Anderen”) liest, und er liest gut. Allerdings moduliert er die unterschiedlichen Stimmen für meinen Geschmack zu wenig, das muss aber auch nicht sein, man hört ihm gerne zu.
Der Plot des “Krimis” ist mal eine neue Variante des “Gedächntnis-verloren”-Zweigs: Der Protagonist verliert durch einen Überfall nur die Erinnerung an die letzten Wochen, die restliche Vergangenheit bleibt vorhanden. Aber gerade in diesen letzten Wochen hat er sich schlagartig verändert, wie ihm seine Freunde berichten, und er sucht jetzt den Grund für diese Veränderung.
So weit, so gut. Auch der Erzählstil von Suter ist einschmiegsam, man hört gerne zu, es ist ein netter Plauderton. Aber es passiert nichts. Absolut nichts, was auch nur im Ansatz das Wort “Spannung” vertragen würde. Vergleichbar vielleicht mit jenen Tatort-Folgen, unter die die HörZu beschönigend “unaufgeregt spannend” schreibt, wenn man sehr wohlwollend sein will. Gewiss, die Hauptperson macht die ein oder andere Entdeckung, stößt auf einen kleinen Skandal (dessen Thema aber in zig Krimis der letzten Jahre besser und tiefgehender behandelt wurde), langsam und zäh kommt die Story voran. Die eigentliche Auflösung geschieht am Ende schnell und unspektakulär, so, als wäre dem Autor inzwischen selbst langweilig geworden. Und nicht falsch verstanden zu werden: Ich brauche keine “Leichen” und keine “Action” in einem Krimi, aber an irgendeiner Stelle sollte er halt doch zumindest einen Hauch von Überraschung bereit halten.
Jetzt könnte man fragen, ob es vielleicht statt eines Krimis eine Erzählung wäre. Ist es aber nicht. Dazu fehlt einfach jeglicher Tiefgang. Alle Handelnden außerhalb der Hauptperson bleiben blass und unscheinbar. Und selbst von der Hauptperson kann man nur sagen, dass er halt seine alte Freundin zu lieben glaubt.
Zusammengefasst: Das Hörbuch wird gut gelesen, die plätschernde Handlung hat etwas “wohliges” und man kann es jederzeit vor dem Einschlafen anhören. Man kann die 280 Minuten aber auch für ein anderes, gutes, Hörbuch nutzen …

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