17. Jan 2008

Kat. Hörspiel | 0 Kommentare

Erste Radio-Tatort-Folge: Mäßiger Emir

ard-tatort-3.pngHandwerklich ist die erste Folge – “Der Emir” – des ARD-Projekts “Radio-Tatort” sicher gelungen: perfekte Qualität im technischen Bereich, schöne Rückblenden, passend und dezent Geräusche und Musik, professionelle Sprecher usw. Nun, nach rund 100 Jahren Hörspielerfahrung im Profibereich sollte man das auch erwarten können. Aber den zentralen Schwachpunkt teilt die neue Reihe offensichtlich mit ihrer großen TV-Schwester: Die Handlung plätschert vor sich hin. Nicht, dass es nicht gute Ansätze geben würde: Die Rückblenden sind interessant (zusammen mit der musikalischen Untermalung dürften sie sogar zu den einzigen Höhepunkten dieser Folge zählen), auch die – allerdings nur angedeuteten – kulturellen Hintergründe hätten etwas ergeben können. Aber alles blieb an der Oberfläche, war austauschbar. Ob man da nun eine russische Mafia oder eine chinesische genommen hätte, ob bei einer Erinnerung die Sonne des Libanons oder der Mond Nigerias vorgekommen wäre – all dies hat allenfalls poetische Bedeutung gehabt.
Manchmal rettet ja Humor oder eine schrullige Hauptfigur die Handlung, ebenfalls Fehlanzeige.
Der Koordinator dieser Serie, Ekkehard Skorrupa, spricht von einem “harten” und “brisanten” Fall, der durchaus in die aktuelle Diskussion um “Menschenhandel”, Kriminalität von “Ausländern mit Migrationshintergrund” passen würde. Na ja, gewiss, die Begriffe fallen gelegentlich. Aber auch hier gilt: Man hätte die Worte “Giftmüll” oder “Lebensmittelskandal” einfügen können, ohne damit die Handlung zu gefährden … Die HÖR ZU pflegt derartige TV-Folgen süffisant mit dem Etikett “unaufgeregter Krimi” zu belegen.
Okay, nun klingt das alles ein wenig hart – als nett anzuhörende Erzählung, die hörspieltechnisch prima gemacht ist, kann man die erste Folge durchgehen lassen und sie sich ruhig einmal anhören. Die Hoffnung bleibt, dass die unterschiedlichen Folgen unterschiedliche Autoren haben – und man vielleicht schon im Februar eine Überraschung erlebt. Bei Folge 2.
Download der Folge “Der Emir” (MP3, Spieldauer ca. 50 Minuten).
Interviews zum “Making of” beim MDR Figaro.

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