17. Sep 2007

Kat. Hörbuch | 0 Kommentare

Gut gegen Nordwind

nordwind.gifEmmi hat Schwierigkeiten mit der Tastatur. Und sie ist temperamentvoll. Das merkt man am Ton ihrer Mails, mit denen sie versucht, ein Stadtmagazin („Like“) abzubestellen. Leo („Leike“) lässt das anfänglich ziemlich kalt, da er sich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni keineswegs für zuständig hält. Irgendwann klärt er aber Emmi dann doch auf, dass es bei einer Mail-Adresse auf jeden Buchstaben ankommt. Das ist der Anfang einer langen Geschichte …
Das Buch „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer war mir zwar in den letzten Wochen öfters bei Besprechungen begegnet, aber ich wollte eigentlich nicht dazu greifen. In zu schlechter Erinnerung habe ich noch dünne Filme wie „E-Mail für Dich“ oder „Das Netz“ aus den 90-er Jahren. Warum auch immer: An Pfingsten spielte ich die Hörbuchvariante auf meinen Nano – und siehe da, der Roman ist ja richtig gut! Mehr noch – die beiden Sprecher (Andrea Sawatzki und Christian Berkel) sind hervorragend. Insbesondere „Emmi“ ist derart überzeugend, dass mir so manche Bekanntschaft von früher plastisch vor Augen stand. In diesem Fall bin ich der festen Überzeugung, dass das Hörbuch der Printausgabe deutlich überlegen ist.
Aber der Inhalt selbst ist eben auch überzeugend. Ein Spiel zwischen zwei „Unbekannten“, die sich alleine durch Buchstaben erfahren. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass man diese Gedanken und Gefühle ohne erklärenden „Zwischentext“ verstehbar machen kann. Und auch nicht, dass mit einem derartigen Thema ganze 375 Minuten gefüllt werden können, ohne dass einem langweilig wird (von ein paar wenigen Längen abgesehen, die verzeihbar sind). Und es finden sich pfiffige Ideen darin, wie z. B. das – abgesprochene – Treffen in einem Café an einem Nachmittag, ohne dass man sich zu erkennen gibt (Leo hatte behauptet, er würde Emmi allein auf Grund ihrer Worte unter jeder Menschenmenge identifizieren können). Oder das gemeinsame Trinken um Mitternacht, jeder in seiner Wohnung, jeder vor seinem Monitor – so was kennen ja viele von uns, die schon mal längere Chatsitzungen hinter sich gebracht haben.
Eine sehr schöne, sehr humorvolle Sprache ist Glattauer ebenso gelungen – und das Kunststück, ein Ende zu finden, das „passt“ – nicht ganz einfach bei dieser Materie.

Daniel Glattauer
Gut gegen Nordwind
Hörbuch Hamburg 2007
288 Min.
ca. 14 Euro (claudio.de)

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