25. Sep 2010

Kat. Krimi, Top | 0 Kommentare

Kalte Stille – flach geraten

kalte Stille

bedingt hörbar

Ein Psychiater leidet an seiner Vergangenheit: Der Vater starb bei einem mysteriösen Verkehrsunfall, der kleine Bruder bleibt spurlos verschwunden und ein Tonband, das nur Stille aufnimmt. Der Neuanfang in einer Klinik sieht nur am Anfang geklückt aus, Patientinnen begehen ohne ersichtlichen Grund Selbstmord und unsere Hauptperson stößt auf Schatten der eigenen Vergangenheit. Dazu sind manche Klinikangestellte undurchschaubar und Spuren erweisen sich als verwickelt. So weit eine nette, solide Krimihandlung, die auch nett und solide erzählt wird. Allerdings hält sich die Spannung in Grenzen, denn das Schema ist von sonntäglichen Tatortsendungen allzu bekannt: Es gibt einen Zwischenverdächtigen, der schnell als möglicher Mitbeteiligter eingeordnet wird, aber der erfahrene Leser kann sich denken, dass er damit auf eine falsche Spur gelenkt wird. Den eigentlichen Übeltäter kann man sich bald denken, obgleich die gesamte Auflösung dann doch neue Tatbestände aufdeckt und die ein oder andere kleine Überraschung parat hat.
Das alleine wäre noch akzeptabel, da der Schreibstil flüssig und eingängig ist. Aber die Personenskizzierungen bleiben letztendlich sehr an der Oberfläche, es gelingt dem Autor nicht, ein “Mit-Fühlen” zu erzeugen. So hört man zwar interessiert zu, aber Spannung oder Neugier will sich einfach nicht einstellen. Leider.
Gelesen ist das Hörbuch hingegen sehr gut von David Nathan, was entscheidend dazu beiträgt, dass man bis zum Ende dran bleibt.

Wulf Dorn: Kalte Stille
Verlag: Lübbe Audio 2010
Dauer: 6 CDs, 430 Minuten
Preis: ca. 19 Euro im Buchhandel, ab 10 Euro als Download-Version

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