24. Jul 2010

Kat. Hörbuch, Krimi, Top | 0 Kommentare

Mit einem Auge stirbt man schneller

Der Augensammler

Augenblick mal

Ein Polizist, der ein Trauma erlebt, ist der Anfang. Er wird zu einem deprimiert-mittelmäßigen Journalisten, der erst wieder wach wird, als ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Schnell hat der Killer seinen Spitznamen “Augensammler” weg, da den ermordeten Kindern jeweils ein Auge fehlt. Zwar gibt der Mörder den Ermittlern immer 44 Stunden Zeit, die eingesperrten Opfer noch zu retten, aber das genügt nicht. Unser Journalist, Alexander Zorbach, tappt zunächst auch im Dunkeln, erhält dann aber unerwartet Hilfe von einer Blinden mit hellseherischen Fähigkeiten. Natürlich glaubt Zorbach ihr kein Wort, trotzdem erscheinen ihre Hinweise merkwürdig plausibel – obwohl sie in entscheidenden Punkten nicht ganz stimmen. Doch schließlich rückt er dem Augensammler zu nahe auf den Pelz …
“Der Augensammler” von Sebastian Fitzek ist ein routiniert geschriebener Thriller, der sich zwar der genere-typischen Stilmittel bedient – die inzwischen auch sattsam bekannt sind – trotzdem aber eine gewisse Spannung aufrecht erhalten kann. Die Erklärungen, die für das Motiv des Mörders gefunden werden, sind sogar einigermaßen plausibel – allerdings ist nicht jede Stelle dieses Buches besonders “glaubhaft” gestaltet. Das kann man aber in Kauf nehmen, da auch Ungereimtheiten zumindest interessant erzählt werden. Ein Minus gibt es für die zu grauenvolle Schilderung einer Todesart in der Mitte des Buches, obwohl das sicher Geschmackssache ist. Aber die Schilderung derartiger Todesarten ist üblicherweise eher schwachen Autoren vorbehalten.
Fitzek räumt im Anhang viel Platz der Schilderung ein, dass er bezüglich der Wahrnehmung der Blinden sehr viel Hilfe über das Internet von sehbehinderten Fans erhalten habe. Und daher würden die Details stimmen und sich von den üblichen Film-Darstellungen unterscheiden. Mag sein.  Aber eine gar so großartige Leistung ist  nicht zu erkennen, da die Hellseherin fest eingebunden in das Krimi-Schema bleibt und wenig über ihren “alltäglichen” Alltag berichten darf.
Unterm Strich ein sicher interessanter Krimi, der durchaus empfohlen werden kann, ohne dass man ein Meisterwerk erwarten sollte.
Gelesen von Simon Jäger, der seine Sache sehr gut macht.

Sebastian Fitzek: Der Augensammler
Verlag: Lübbe Audio 2010
Dauer: gute 5 Stunden, 4 CDs.
Preis: ca. 14 Euro im Buchhandel, ab 10 Euro als Download-Version

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