3. Jul 2010

Kat. Hörbuch, Jugendbuch, Krimi, Top | 1 Kommentar

Mord im Gurkenbeet

Mord im Gurkenbeet

flinke Zunge

Wenn man eine Leiche im Gurkenbeet hinter einem alten Herrenhaus findet, so ist das prinzipiell nicht besonders aufregend. Interessanter wird es schon, wenn das Herrenhaus in England steht, die Handlung in den 50-er Jahren spielt und die Hauptperson ein 11-jähriges Mädchen ist. Und richtig originell wird es es, wenn diese sehr erwachsende 11-jährige eine Vorliebe für Chemie und das Mischen von Giften hat. Was wie ein “nettes” Jugendbuch daher kommt, entpuppt sich schnell als Krimi für Erwachsene, der aus der Reihe fällt. Aber zunächst kurz zur Handlung: Flavia de Luce hat zwei ältere Schwestern, von denen sie sich oft genervt fühlt und in solchen Fällen auch mal gerne ein kleines chemisches Experiment mit dem Lippenstift Schwerst durchführt. Weiterhin verfügt sie über einen briefmarkensammelnden Vater, eine mäßig begabte Haushälterin und einen undurchschaubaren Butler. Als sie die Leiche eines Fremden entdeckt, begibt sie sich auf Spurensuche im Stil von Sherlock Holmes und wird auch bald in Zeitungsarchiven, Bibliotheken und bei Zeitzeugen fündig – bringt sich damit aber selbst in Lebensgefahr.

Nun zum Buch selbst: Die Sprache und die Gedanken, derer sich Flavia bedient muten etwas “altklug” an, entwickeln aber einen eigenen Charme, der das Werk wirklich interessant macht. Das erste Drittel darf daher auch als ausgesprochen gelungen betrachtet werden. Im mittleren Drittel ändert sich allerdings der Erzählstil, in dem sehr langatmig eine Geschichte der Vergangenheit ausgebreitet wird. Diese “Nacherzählung” ist in sich zwar interessant, lässt aber nur noch gelegentlich den Pfiff des ersten Teils aufleuchten. Die Aufklärung des Falles und der “Show Down” wirken dann leiter aufgesetzt und konstruiert, sind aber noch akzeptabel. Insoweit hinterlässt der vielfach gelobte Roman also sehr gemischte Gefühle.

Allerdings gibt es einen Lichtblick: Die Sprecherin! Andrea Sawatzki ist einfach umwerfend in ihrer Leistung, jeden Gedankengang von Flavia durch Nuancen ihrer Stimme transparent zu machen! Hier hat man eine absolut gelungene Sprecherin gefunden. Mit anderen Worten: Während die Printausgabe “nett” und bedingt empfehlenswert ist, ist die Hörbuchversion zweifelsfrei empfehlenswert! In englischer Sprache ist der zweite Band bereits erschienen – vielleicht macht er inhaltlich ja einige Dinge besser als sein Vorgänger – man darf darauf gespannt sein.

Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet
Verlag: HörbuchHamburg 2010
Dauer: 6 Std., 50 Min.
Preis: ab 10 Euro (Download-Version)

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  1. Diesmal gilt es für Flavia gleich zwei verzwickte Morde aufzuklären. Mit „Mord ist kein Kinderspiel“ legt Alan Bradley einen charmanten Krimi für alle Altersgruppen vor, der durch seine liebenswerten, skurrilen Charaktere und seinen rabenschwarzen, britischen Humor besticht.

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  1. Das ist so Pawlow - [...] kleine Stelle in “Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet” gefällt mir besonders: Die ältere Schwester der 11-jährigen Flavia ...

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