21. Aug 2009

Kat. Hörspiel, Radio, Top | 0 Kommentare

Radio Tatort: Folge “Offene Rechnung”

Intrigen beim Autobau

Intrigen beim Autobau

Die aktuelle Folge “Offene Rechnung” der ARD-Radio-Tatort-Reihe hebt sich einen Tick von vielen der bisherigen Tatort-Episoden ab – zum Glück in positiver Richtung. Doch dazu gleich mehr. Zunächst kurz zum Inhalt: Im Zuge der Wirtschaftskrise (hier waren die Drehbuchschreiber mal tagesaktuell) gerät ein größerer Autozulieferer im Sauerland in Schwierigkeiten – Entlassungen stehen vor der Tür. Betriebsrat und Geschäftsleitung werden nervös – aber aus ganz anderen Gründen. Es flossen nämlich lange Zeit aus “Schwarzen Kassen” Gelder an Teile des Betriebsrats, um diesen wohlgesinnt zu halten.
Insbesondere ein Mitwisser bekommt kalte Füße und holt sich Rat bei einem weiblichen Coach. Kurz bevor er ganz auspacken kann, explodiert sein Fahrzeug, was zu änlichen von der Mafia verübten Fällen passt. War’s der Italiener? Vielleicht, aber das soll hier nicht verraten werden …

Was gefällt: Es kommt ein Hauch von Spannung auf, was generell bei Tatort-Folgen (auch denen im Fernsehen) bemerkenswert ist. Allerdings – verglichen mit dem, was “echte” Krimis im Hörbuchbereich schaffen, bleibt es natürlich flach (was zum Teil auch der kurzen einstündigen Sendezeit geschuldet ist). Wirklich einigermaßen glaubwürdig gespielt ist die Witwe des Ermordeten – man lässt ihrer Stimme endlich mal etwas Zeit für Trauer, was selten in Radiofolgen vorkommt. Weiterhin gibt es mehrere Aufklärungsmöglichkeiten, die eigentliche Lösung ist also diesmal nicht gar so früh da, aber nach 2/3 Sendezeit weiß man dann doch Bescheid. Ein Anflug von Humor ist zumindest in dem ein oder anderen Dialogteil auch bemerkbar. Und: Eine originelle Idee ist der weibliche Coach, der erklärt, wozu Coaching eigentlich gut ist.

Was nicht gefällt: Ist es wirklich so schwer, einen Tick mehr Spannung in die Handlungen zu bringen? Es bleibt wieder hauptsächlich die Neugier, was der Hintergrund einer Handlung ist oder was die endgültige Auflösung ist. Von Überraschung, einen “Aha!”-Erlebnis oder – Gott behüte! – gar von einem Kribbeln ist auch diesmal nichts zu bemerken. Und warum fürchtet man sich denn nun vor Humor? Einige gute Ansätze sind doch da, die hätte man leicht ausbauen können.

Nein, das Problem der ARD ist, dass dieser große Betrieb nicht bemerkt, wie sich die Zeit verändert hat. Noch immer operiert man mit Hörspielkonzepten der 50-er Jahre (“Stahlnetz”-Zeit). Seit etwa 8 Jahren sind aber zehntausende von Hörbüchern auf den Markt gekommen – darunter eine überraschend große Anzahl von gut gemachten Krimis, die mal spannend, mal humorvoll, mal überraschend, mal aktuell und mal alles miteinander sind. Diese Hörbücher ist man gewohnt – und da kann man nur mit Drehbuchschreibern mithalten, die wirklich zu den Spitzenautoren gehören. Sich darauf zu verlassen, dass das Uralt-Etikett “Tatort” zieht in der Kombination mit teuren Tonstudios und guten Sprechern – das ist Unsinn. So verliert man auf dem aktuellen Markt.

Wie auch immer: Die aktuelle Folge “Offene Rechnung” ist unterm Strich bedingt empfehlenswert, die Sendetermine finden sich hier und der Download als MP3-Datei wird ab dem 24. 8. 09 möglich sein.

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