5. Jul 2008

Kat. Hörbuch | 0 Kommentare

Tunnel: Das Licht der Finsternis

tunnel-licht.jpgNach dem Auslaufen der Harry-Potter-Serie ist der Hörverlag gewissermaßen auf der Such nach “the next Harry Potter”, also einem Jugendbuch, das ähnlich begeistert von jungen Lesern aufgenommen wird. Mit der Vertonung des gerade erst ins Deutsche übersetzte Buchs “Tunnel: Das Licht der Finsternis” von Roderick Gordon und Brian Williams ist dem Verlag ein guter Start gelungen, obwohl – wie gleich noch zu sehen sein wird – der Durchbruch damit nicht gelingen wird.
Aber zunächst mal die Pluspunkte: Anders, als die im Zuge des Potter-Erfolgs zahlreich erschienen Zauber-, Elfen-, Magie- und Mystik-Romane geht “Tunnel” den Weg eines traditionellen Jugendbuchs, das ohne Zauberkunststücke auskommt. Eher wird man diesmal an Jules Vernes “Reise zum Mittelpunkt der Erde” erinnert, wenn die Hauptpersonen eine unterirdische Kolonie entdecken, die keine Eindringlinge dulden will. Auch in Punkto “Familienzusammensetzung” wird erfrischend von dem sattsam bekannten Waisen-Modell abgewichen: Der Vater Museumsbeamter, die Mutter fernsehsüchtig, die Schwester neurotisch (die Hauptperson Will ist natürlich “normal”, bis auf den Hang zum Tunnelgraben). Wenn man nun also ohne übernatürliche Kunstgriffe eine längere Handlung spannend halten will, muss man schon ausgezeichnet erzählen können – und das können Gordon und Williams nun wirklich! Hinzu kommt die ausgezeichnete Sprecherwahl mit Andreas Fröhlich, der entscheidend dazu beiträgt, dass das Hörbuch besser als die dicke Printausgabe (500 Seiten) ist. Denn die ständigen Beschreibungen von unterirdischen Höhlen, Gängen, Steinen usw. ermüden beim Lesen. Diese Längen lassen sich, dank Andreas Fröhlich, in der Hörversion deutlich besser verzeihen.
Soweit also ein gutes und ein empfehlenswertes Jugendbuch. Aber ein ganz dicker Minuspunkt muss doch noch vergeben werden: Während Rowling bei ihren Büchern ein Auge darauf hatte, dass jeder Band in sich abgeschlossen war, hatten die Autoren von “Tunnel” ein mehrbändiges Fortsetzungswerk vor Augen. Am Ende von Tunnel ist noch kein Rätsel gelöst, man ist gewissermaßen unter der Erde “stecken geblieben” – so etwas ist unbefriedigend. Allenfalls das kleine überraschende letzte Kapitel stimmt einen da wieder etwas versöhnlicher.

Roderick Gordon/Brian Williams: Tunnel: Das Licht der Finsternis
Sprecher: Andreas Fröhlich
Hörverlag (Hörprobe)
8 CDs (rund 570 Minuten), ca. 30 Euro
Drektdownload im MP3-Format bei claudio , ca. 21 Euro.

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