Über Ohrient

Als sich 1938 das Fernsehen in den USA langsam verbreitete, schrieb eine amerikanische Zeitung:
“Das Fernsehen wird [im Unterschied zum Radio] keine Zukunft haben. Denn der durchschnittiche Amerikaner hat einfach keine Zeit, stundenlang am gleichen Fleck sitzen zu müssen, den Blick immer in eine Richtung.”
Nun, wir alle wissen, dass es anders kam – ganze Leben spielten sich in den vergangenen Jahrzehnten in den wenigen Quadratmetern eines Wohnzimmers ab, das in bläuliches Flimmern getaucht war. Und die guten alten “Radio Days”? Sie verschwanden in der Versenkung oder wurden fast ausschließlich in der Form von Musikteppichen genutzt, die vom Bügeln oder den nervigen Stimmen der Eltern ablenken sollten.

Was niemand ahnen konnte (und bis heute nicht unbedingt alle mitbekommen haben): Der “Ton” feiert durch Internet, Podcasting, Hörbücher und MP3-Player ein Comeback mit phantastischen Möglichkeiten. Dies ist eine recht junge Entwicklung. Heute, im Jahre 2007, vielleicht gerade mal 3 Jahre alt. Denn erst im Zusammenspiel der Medien können deren Möglichkeiten wirklich ausgereizt werden: Hochwertige Hörbücher und Radiosendungen werden produziert, via bestimmter Web-Technologien (z. B. Blogs und Feeds) erfahre ich davon, per Tastendruck kann ich den Ton auf ein Mini-Gerät überspielen, das ich überall dabei haben kann usw. usw.

Ich habe also plötzlich zeit- und ortsunabhängigen Zugang zu qualitativ hochwertigem Material. Und mit einem Mal lohnt es sich, wieder hin-zu-hören. Denn das, was ich höre, ist interessant, gut gemacht, vielleicht auch “nur” amüsant … was auch immer: Es sind meine Themen, meine Interessen, die ich mir auswählen kann und die ich zu meiner Zeit und in meiner Umgebung hören kann.

Aber, wie bei allen Dingen, die sich explosionsartig vermehren, ist es nach wie vor wichtig, von “guten”, von “interessanten” Dingen zu erfahren, den Ton im Getöse wahrzunehmen und zu trennen. Genau dabei möchte Ohrient ein wenig helfen. Ohrient möchte, nun überstrapazieren wir einmal das Wortspiel, eine “Ohrientierung” auf den verschlungenen Pfaden der Hörmedien geben. Mit Hinweisen auf Neues und hörenswertes Altes, mit Informationen zu Tagungen und zu interessanten Sendungen. Mit Anleitungen zur “Bedienung” neuer Webtechnologien und dem Aufzeigen von Möglichkeiten in Bildung und Wissenschaft.

Was Ohrient hingegen nicht sein möchte: Ein bloßes Infoportal oder bloßer Ankündiger von irgendwelchen Neuerscheinungen, die irgendwelche Verlage oder Rundfunkstationen für toll halten. Und Ohrient möchte auch nicht ein Sprachrohr einer Medienindustrie sein, die sagt: “Ihr müsst!”, “Ihr sollt”, “Kauft Euch Neues!”. Nein, Ohrient möchte eher ein leises “Ihr könntet …” sagen – und es dann dem geneigten Hörer und Leser selbst überlassen, ober er das möchte …

Ach so, ja, wer steht hinter Ohrient? Dazu vielleicht mal demnächst etwas ausführlicher. Aber für jetzt: Ich bin Herbert und bin Sozialwissenschaftler an einer Uni irgendwo im Süden Deutschland …

Ohrient.de